Typischerweise bildet sich im Laufe einer Karriere eine bestimmt Arbeitsweise für neue Produktionen heraus. So ist das auch bei Sascha Ring, besser bekannt als Apparat, geschehen. Bei seinen vorigen Produktionen – ob nun solo, mit Ellen Allien oder zusammen mit Modeselektor als Moderat – betrat er immer mit einem festen Plan das Studio. Als er zuletzt für die Inszenierung von Leo Tolstois Opus Magnum „Krieg und Frieden“ die Musik beisteuern sollte, erwarteten ihn bereits feststehende zu vertonende Szenen.
Dass dann alles anders kommen sollte, lag an der Arbeitsweise von Regisseur Sebastian Hartmann: Der erarbeitet jedes Theaterstück und auch die dazugehörige Musik in offenem Prozess und ohne vorgefertigtes Script oder Drehbuch. Plötzlich steckte Sascha Ring in einer ungewohnten Situation: Zusammen mit einem „Haufen von Freaks“ (Ring) half er in einer Fabrikhalle bei der Inszenierung und kümmerte sich anschließend noch um die Musik. Entstanden ist eine sphärische, liebliche Begleitung, die sich vornehm zurückhält, dabei aber nie beliebig klingt.
Es war nie geplant, dass der melancholisch-elektronische Soundtrack jemals veröffentlicht werden sollte. Dass es doch soweit gekommen ist, liegt an dem ungeheuren Potential des fürs Theater geschaffenen Materials. An die Aufführung angeschlossen begab sich Apparat für eine Woche ins Studio, überarbeitete und entschlackte die Musik noch einmal und nahm „Krieg und Frieden“ auf. Apparat vollbrachte mit „Krieg und Frieden“ gleich zwei Kunststücke: Zum einen kann sich „Krieg und Frieden“ auch losgelöst vom Theaterstück als eigenständiges Werk behaupten. Zum anderen ist es, trotz der ungewohnten Arbeitsweise, wieder ein typisches Apparat-Album geworden.