The Good Natured - Interview
„Wir nennen es Pop Noir": The Good Natured
09. Dezember 2011 – Artist Focus

The Good Natured im Interview

The Good Natured aus dem beschaulichen Berkshire sind eines der heißesten Pop-Phänomene aus England. Wir trafen das Geschwisterpaar Sarah und Hamish McIntosh und Drummer George Hinton in Köln, im Rahmen ihrer Tour im Vorprogramm der Wombats.

Ihr wart kürzlich bereits mit Oh Land unterwegs, jetzt mit den Wombats. Ihr scheint als Vorgruppe sehr gefragt zu sein.
George: Nicht nur das. Wir haben im Rahmen unserer Deutschland-Tour auch unsere ersten Gigs als Headliner gespielt. Diese drei Dates waren unser absolutes Highlight.
Sarah: Ja, die Leute haben getanzt, das war toll.

Wie ging es eigentlich los mit eurer Band?
Sarah: Hamish erzählte mir, dass unsere Oma ein altes Keyboard aus den Achtzigern hatte, das sie wegwerfen wollte. Ich habe es vor dem Müll gerettet und die ersten Songs damit geschrieben.

Habt ihr als Geschwister damals schon gemeinsam Musik gemacht?
Hamish: Sarah hat die Songs eigentlich alleine geschrieben. Ich habe sie hier und da begleitet.
Sarah: Ja, ich bin die Songwriterin und ein ziemlicher Kontrollfreak.

Hattest Du zu dem Zeitpunkt nicht auch Musik studiert?
Sarah: Ja, George und ich haben uns an der Uni kennengelernt. Aber wir haben beide das Studium abgebrochen.
George: Sarah ist als Erste ausgestiegen, kurz vor Weihnachten. Und ich hatte keine anderen Freunde, also bin ich ihr zwei Monate später gefolgt.
Sarah: Das war die Zeit, als es richtig losging. Wir lernten unseren Manager kennen, ich schrieb viel, und wir spielten eine Menge Konzerte. Es wurde immer schwieriger, gleichzeitig das Studium durchzuziehen, also beschlossen wir, es abzubrechen.

Keine leichte Entscheidung.
George: Es war schon sehr heikel. Wir haben uns zwischendurch auch immer wieder die Programme einiger Unis angesehen. Wir hatten ja keine Ahnung, wie es weitergehen würde.

Wie ging der ganze Buzz in eurer Heimat eigentlich los?
Sarah: 2007 habe ich unsere ersten Songs an Radio 1 geschickt. Sie nahmen sie ins Programm, was uns eine Menge Aufmerksamkeit beschert hat. Es war eine Wahnsinnserfahrung für uns, unseren eigenen Kram im Radio zu hören! Das war der Anfang, und nachdem wir die Uni geschmissen hatten, haben wir dann richtig losgelegt.

In England wirst du mit Kate Bush und anderen Eighties-Sängerinnen verglichen. Sind das tatsächlich wichtige Einflüsse für dich?
Sarah: Auf jeden Fall. Unsere Eltern hatten ja all diese Platten, Kate Bush, Blondie, Tears For Fears und sowas. Wir sind damit aufgewachsen. All diese Bands haben uns sehr beeinflusst.

Die Texte deiner Songs sind ja ganz schön archaisch und düster: Da geht es um Wölfe, die dich nach Hause tragen, Bisse in den Hals, usw.
Sarah: Ich benutze solche Bilder gerne, um meine Gefühle auszudrücken. Bei „Wolves" geht es um die Flucht aus dem Alltag. Die Wölfe sind für mich die ideale Metapher dafür.

Ein schöner Kontrast: düstere Märchentexte über elektronischen Sounds.
Sarah: Genau das ist unser Ding.

Ihr habt einen Song mit dem schwedischen Dance-Produzenten Adrian Lux aufgenommen.
Sarah: Auch das hat uns eine Menge Aufmerksamkeit beschert. Wir konnten so Leute erreichen, die normalerweise ganz andere Musik hören. Umgekehrt war es natürlich genauso.

Es klingt ja ein bisschen Eurodance-mäßig. Steht ihr darauf? Auch David Guetta und so was?
Sarah: Ich kann mir das schon anhören, ja. Viele von seinen Sachen sind ja sehr catchy.
George: Ich hab' sein Album. Ich mag es.

Könntet ihr euch vorstellen, mehr in diese Richtung zu gehen, oder seht ihr euch als Indie-Band?
Sarah: Wir sind definitiv eine Pop-Band. Wir nennen es Pop mit Herz oder „Pop Noir".
George: Pop kann alles sein. Vielleicht machen wir ja mal einen Dance Track. Warum nicht?

Wie laufen die Aufnahmen für das Album?
Sarah: Wir sind fast fertig und sehr aufgeregt. Im Frühjahr soll es erscheinen. Ein paar Sachen möchte ich noch hinzufügen, aber im Grunde steht alles soweit.

Und wie wird es heißen?
Sarah: Es hat noch keinen Namen.

Schreibt ihr auch während der Proben gemeinsam Songs?
Sarah: Noch schreibe ich alles alleine, so habe ich ja auch angefangen. Das soll aber nicht bedeuten, dass wir fürs nächste Album nicht gemeinsam Songs schreiben werden. Das Debüt ist aber mein Baby, es handelt von meinen Emotionen. Bei den Proben für unsere Live-Auftritte läuft es ganz anders.
George: Für die Konzerte bauen wir die Songs um und probieren Sachen aus, die nicht auf den Studio-Versionen sind. Live spiele ich ja auch Drums dazu, insofern verändern sich die Songs sehr.

Ihr habe ja harte Konkurrenz zu Hause. Wie ist eigentlich die Stimmung unter all den jungen UK-Elektropop-Bands?
Sarah: Ich habe da kein Gefühl von Wettkampf oder Missgunst, im Gegenteil. Ich freue mich, dass momentan so viele kredible Künstler unterwegs sind, die sogar in den Charts landen. Ich finde das toll.

Danke für das Gespräch.

Photo: © Daniel Sanwald

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