Rammstein
Rammstein passen in kein Schema. Und Rammstein haben den Superlativ gepachtet: härter, bizarrer, provokanter und radikaler als viele andere Bands der härteren Gangart. Diese Faktoren stehen für die deutsche Rockband genauso wie ihre aufwändigen Pyrotechnik-Liveshows oder ihr internationaler Erfolg trotz deutscher Texte.
Diese Band ist wirklich anders. Das zeigt allein schon die Namensfindung, haben sich Rammstein doch an dem deutschen Nuklearwaffenstützpunkt Ramstein bei Kaiserslautern orientiert. Traurige Berühmtheit erlangte dieser bei dem Absturz eines italienischen Kunstfliegers während einer Flugschau im August 1988. Damals verloren 70 Zuschauer ihr Leben.
Gegründet wurde Rammstein im Jahr 1994 in Berlin, doch die musikalische Vorgeschichte der einzelnen Herren reicht viel weiter zurück. „Das Auge Gottes“ und „Orgasm Death Gimmick“ sind die ersten Bands, in denen Gitarrist Richard Kruspe spielt, Sänger und Pyrotechniker Till Lindemann ist zunächst Schlagzeuger bei „First Arsch“. Mit seinen Mitbewohnern Oliver Riedel (Bass, Ex-Inchtabokatables) und Drummer Christoph Schneider (Die Firma) gründet Kruspe die Band und holt Lindemann mit ins Boot.
Erste Demoaufnahmen entstehen, 1994 gewinnen Rammstein den Berliner Senatswettbewerb für junge Bands und damit einwöchige Studioaufnahmen in Paris. Etwas später kommen Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz und Paul Landers (Gitarre) hinzu, die zusammen Mitglieder der DDR-Punkband Feeling B waren. Dank Manager Emanuel Fialik (Pilgrim Management) bekommen sie Anfang 1995 einen Plattenvertrag bei Motor Music. Im selben Jahr bringen Rammstein das Debütalbum „Herzeleid“ auf den Markt, doch erst mit dem zweiten Album „Sehnsucht“ (1997) schaffen sie den kommerziellen Durchbruch im In- und Ausland.
Jeder hat mal klein angefangen
Kurz nach ihrer Gründung spielt die zu dieser Zeit relativ unbekannte Band auf kleineren Konzerten und in Clubs, bei ihrem ersten Auftritt sogar vor nur 15 Besuchern. Dass das nicht lange so bleibt, war vorprogrammiert: Touren Rammstein 1995 noch mit mehreren Bands durch Deutschland, treten sie alsbald als Support von Clawfinger in Warschau und Prag auf, danach folgt ihre erste eigene Tour zu „Herzeleid“ durch Deutschland.
Die Tour zum Album „Sehnsucht“ Tour führt Rammstein durch ganz Europa und erstmals in die USA: Sie spielen zwei Klubkonzerte in New York City und treten als Support der Band KMFDM auf. Die erste Headlinertour durch die USA findet im folgenden Jahr statt. Konzerte mit Korn und Limp Bizkit bringen sie abermals in die Staaten. 1999 tourten Rammstein als Support von Kiss durch Süd- und Mittelamerika, mit Soulfly durch den Norden der USA. In den nächsten beiden Jahren bereisen sie neben Japan auch Australien und Neuseeland und treten unter anderem mit Coldplay auf. Eine weitere Tour durch Europa folgt.
1999 erscheint das auf der Berliner Parkbühne mitgeschnittene Album „Live aus Berlin“, zwei Jahre später wird „Mutter“ veröffentlicht. Dann geht es praktisch Schlag auf Schlag: Vergleichsweise kurz hintereinander folgen die Alben „Reise, Reise“ (2004) und „Rosenrot“ (2005). Die Konzert-Zusammenschnitte der zweijährigen Welttournee kommen 2006 als Live-DVD „Völkerball“ auf den Markt.
Feuer und Flamme
Bezeichnend für die Rammsteinschen Bühnenshows sind auch die pyrotechnischen Effekte: So tragen einzelne Bandmitglieder Flammenwerfer auf dem Kopf, verwenden während des Spielens Rauch- und Funkenwerfer oder zünden ihre Mikrofonstative an. Als Rammstein noch relativ unbekannt waren, haben sie nach eigenen Aussagen Flammen durch ein verpuffendes Gasgemisch im Saal erzeugt. Heute sind ihre Shows legendär.
P wie Provokation, Pussy und Porno
Nacktheit bedeutet nicht immer Zerbrechlichkeit, Scheu und Scham – speziell dann nicht, wenn sich die Herren von Rammstein ausziehen. Für das Cover ihrer neuen Single „Pussy“ (2009) haben die Jungs dank Photoshop ihre Männlichkeit verloren und zeigen sich in Frauenkörpern und mit Babybauch. Passend zum Cover ist auch das Video zur Single provokant, radikal und freizügig – und wurde auf einem Online-Pornokanal erstausgestrahlt. Das neueste Album „Liebe ist für alle da“ wurde im Oktober 2009 veröffentlicht und sorgte gleich für Zündstoff: Es wurde kurzzeitig indiziert wegen seiner angeblichen Verherrlichung von Sadomasochismus. Typisch Rammstein eben.




