23. August 2012 – Review

Alanis Morissette Havoc And Bright Lights

Die große Mehrheit der Fans und Kritiker war von Alanis Morissettes letztem Album, dem 2008 erschienenen „Flavors of Entanglement“, irritiert. Zu Recht, denn die Platte klang so gar nicht nach dem erdigen Folkrock-Sound, der sich durch die ersten sechs Platten der Kanadierin und besonders durch den millionenfach verkauften Klassiker „Jagged Little Pill“ gezogen hatte. Morissette wagte sich sogar an Schubladen wie Techno oder Eurodance, wahrscheinlich mit dem Anspruch, als ähnlich wandlungsfähig wie Madonna zu gelten. Sich immer wieder neu zu erfinden, kauft man zwar einer Queen of Pop ab, einer Alanis Morissette aber nicht. Das sieht sie selbst nach dem letztlichen Misserfolg des Albums mittlerweile wohl ähnlich.

Als hätte es das „Techno-Album“ nie gegeben, kehrt sie mit ihrer neuen Platte „Havoc And Bright Lights“ zum typischen Alanis Morissette-Sound zurück. Mit dem Unterschied, dass sie ihre Inspiration nicht mehr hauptsächlich aus selbst erlebtem Liebeskummer und Enttäuschungen bezieht wie in ihren Zwanzigern. Als verheiratete Frau und Mutter klingt sie geerdeter und zufriedener, andere Themen abseits den Abgründen der eigenen Seele beschäftigen sie. So klingt „Guardian“ nach der bedingungslosen Liebe einer Mutter, deren größte Ehre es ist, über ihr Kind zu wachen wie ein Schutzengel. Die Zeilen „Das geht an alle Frauenhasser, wir werden uns nicht mehr alles gefallen lassen“ aus dem Song „Woman Down“ hingegen klingen nach feministischer Kampfansage.

Jedenfalls beweist Alanis Morissette mit ihrer neuen Platte wieder Beständigkeit. Die einen werden ihr dafür wie früher schon das Attribut „langweilig“ verleihen – die sehr treue Fangemeinde hingegen wird glücklich sein, die alte Alanis wieder zu haben.

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