21. November 2012 – Review

Alicia Keys „Girl On Fire“

In Zeiten, in denen sich anscheinend jedes Pop-Sternchen von Elektro und Dubstep inspirieren lässt, stellt sich eine ganz bewusst diesem Trend entgegen. Am Freitag erscheint Alicia Keys’ fünftes Studioalbum „Girl On Fire“. So selbstbewusst wie noch nie kehrt die New Yorkerin zu ihren musikalischen Wurzeln zurück, ohne sich dabei zu wiederholen.

Als Tochter einer allein erziehenden Mutter in einem zwielichtigen Viertel New Yorks aufgewachsen, verfolgte sie ihre Karriere zielstrebig, fast verbissen. So strahlte Alicia Keys schon mit knapp 20, vor elf Jahren, eine ungeheure Selbstsicherheit aus – zumindest musikalisch. Wie sie jüngst in Interview erzählte, fühle sie sich aber erst jetzt auch als Person so stark wie als Künstlerin. Ihr gesteigertes Selbstbewusstsein scheint schon im ersten Song durch, den sie mit Newcomerin Emeli Sandé schrieb: „Don’t be surprised/ it’s a brand new time for me“. Dieser Spirit zieht sich durch das ganze Album. Es setzt auf starke Lyrics und ihre noch stärkere Stimme. Und während auch Beyoncé oder Rihanna der Elektro- und Dubstep-Welle verfallen sind, führt es Miss Keys zurück zu grundsolidem Soul und Pop. Diese stellen das Kernstück der Platte dar. Lediglich ein paar fette Drum-Samples und Piano-Passagen begleiten die Ausnahmestimme hier und da. Stücke wie „One Thing“ und „Tears Always Win“ erinnern an Glanzstücke ihrer ersten beiden Alben „Songs In A Minor“ und „The Diary Of Alicia Keys“. Das Duell mit Soul-Sänger Maxwell namens „Fire We Make“ ist dabei einer der leisen Höhepunkte der 13-Song-LP.

Den Mut, ihre musikalischen Anfänge als Orientierungspunkt zu nehmen, gab ihr vor allem die Familie. Denn in den drei Jahren seit dem letzten Album heiratete die 14-fache Grammy-Gewinnerin Produzent und Rapper Swizz Beatz und gebar Sohn Egypt (2). Mutter zu sein lehrte sie die nötige Portion Gelassenheit. Auch wenn es einen echten Balance-Akt bedeutet, möchte sie wegen der Familie nicht auf die Karriere verzichten. Genau deshalb ist die Energie geladene Titelsong die Hymne des „Girl On Fire“.

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