Kate Bush fühlt sich auf ihrem neuen Album „50 Words For Snow“ in eine Schneeflocke ein und bekommt tatkräftige Unterstützung von Elton John und Stephen Fry.
Kate Bush macht sich Sorgen, dass die Musikindustrie zusammenbricht und liefert deshalb ein Album ab, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Mit gerade mal sieben Songs auf eine Spielzeit von über einer Stunde könnte diese Platte aus den 70ern stammen, nicht musikalisch, aber vom Konzept her. Wer macht sich schließlich heute noch die Mühe ein Album von hinten nach vorne durchzuhören und diese musikalische Reise anzutreten? Die Musikwelt ist dominiert von Tracks, der Konsument ist aufgeklärter „Prosumer" und stellt sich entweder selbst die Playlists zusammen oder dippelt nervös auf der Skip-Taste rum. Mutig ein Werk herauszubringen, dass zum Stillstand einlädt, zum im Schnee verharren und einfach zuhören.
Im ersten Track „Snowflake“ mäandert ihre Stimme über ruhige Flächen und erzählt leise vom ersten Schneefall. Das passt genau für die kalte Jahreszeit, für eingeschneite Stunden auf dem Land. In „Lake Tahoe“ scheint alles noch langsamer zu werden und geht dann in Opernarien-Manier gen Höhepunkt. „Wild Man“ ist ein Pop-Song erster Güte und scheint auch aus einem anderen Jahrhundert zu stammen: Achtziger-Synthies und Keyboardflächen wetteifern mit Kate Bushs gereifter Stimme um die musikalische Oberhand. Stargast Elton John kommt dann in „Snowed In At Wheeler Street“ zum Zug und gibt zusammen mit Kate ein Paar, dass elegisch eine alte Liebe heraufbeschwört. Stephen Fry darf als Professor Joseph Yupik dann wortwörtlich „50 Words for Snow“ aufsagen, nur unterbrochen von Kates Anfeuerungsrufen. Ein seltsames Stück Musik. Im letzten Song des Albums kommt dann Kate Bush unverfälscht und mit minimalistischem Setup zum Zug. Nur mit Klavier und Stimme kommt der Song „Among Angels“ aus und schließt den Kreis.
Mit „50 Words For Snow“ ist Kate Bush nach langjähriger Pause ein Album gelungen, dass gleichzeitig zurückhaltend und ausufernd ist, eine Platte, die eine Reise ist und am besten an einem Stück genossen wird.
Anspieltipps: „Wild Man“, „Snowflake“, „Among Angels“