Mary J. Blige im Studio, konzentriert fasst sie mit beiden Händen an die Ohrmuscheln ihrer Kopfhörer, um ja auch jeden Sound, jeden Beat richtig hören zu können – mit einem Blick durch das Studiofenster sagt sie: „Turn the track up a little bit!“ Und legt los.
So, oder ähnlich muss die Szene ausgesehen haben: Mary J., Pionierin des Sample-lastigen Soul-Sounds, den wir heute R'n'B nennen - 20 Jahre nach ihrem Debüt „What's the 411?“.
Mary J. Blige hat in den letzten 20 Jahren gut alle zwei Jahre ein neues Album veröffentlicht, im Schatten ihrer Nachfolgerinnen Beyoncé und Rihanna. Um nicht vollends in Vergessenheit zu geraten, ruft sie nun mit ihrem zehnten Album „My Life II... The Journey Continues (Act 1)“ ihre ehemalige Größe zurück in Erinnerung und schließt dort an, wo sie 1994 mit „My Life“, produziert von ihrem Förderer Sean „Puff Daddy“ Combs, aufgehört hatte.
Der kommt auch auf „My Life II“ wieder zu Wort, diesmal nach unzähligen Namenswechseln unter seinem aktuellen Moniker Diddy – zunächst im Intro, wo er very Nineties am anderen Ende der Telefonleitung zuhört, wie Mary J. das Konzept des Sequels erklärt und noch einmal, um die Rahmenhandlung zu schließen, im letzten Track „Someone To Love Me (Naked)“. Dazwischen finden sich 16 classy Tracks, einige davon mit aufregenden Kollaborationen wie Beyoncé, Rick Ross, Drake und Busta Rhymes, die uns Mary J. Blige zeigen, wie wir sie in Erinnerung haben, nur ein bisschen reifer.
Wer mit Mary J. Bliges Songs in den 90ern aufgewachsen ist, wird dieses Album den aktuellen Veröffentlichungen ihrer weiblichen Konkurrenz (Rihannas „Talk That Talk“, Beyonce „Four“ und J.Lo „Love?“) vorziehen, denn im Gegensatz zu jenen, präsentiert uns Mary J. hier ein Stück zeitlosen, aber modernen R'n'B.
Favorites: „Next Level“, „Someone To Love Me (Naked)“, „25/8“ sowie das tolle Cover von Chaka Khans „Ain't Nobody“