Singer/Songwriter zu sein, bedeutet an sich schon sehr viel Eigenregie. Im Fall von Jonathan Vandenbroek alias Milow grenzt die „Do it yourself“-Einstellung schon fast an Wahnsinn: Der Belgier schreibt nicht nur seine eigenen Songs, spielt Gitarre und singt dazu, nein, er ist auch noch sein eigener Manager, Chef und Plattenboss. Das Gute daran: Für den Selfmade-Man Milow läuft’s gerade spitze!
Nachdem er in Belgien schon 2004 als Finalist bei einem Rockwettbewerb auf sich aufmerksam gemacht hat und seit dem kontinuierlich die Charts hoch klettert, tritt er 2009 auch im Rest Europas seinen Siegeszug an.
Ausgerechnet eine Cover-Version des 50 Cent-Gassenhauers „Ayo Technology“ ebnet Milow den Weg aus Belgien heraus. Die Single schafft es Anfang April 2009 sogar bis auf Platz 2 der deutschen Charts. Für Milow, der schon in Belgien und den Niederlanden Platz 1 damit belegte, ist das der bisher wahrscheinlich größte Karriereschritt!
So richtig will „Ayo Technology“ aber nicht in den Rest von Milows Songs passen, auch wenn seine Version eher nach Bruce Springsteen als nach 50 Cent klingt. Milow selbst sagt dazu, dass er gar nicht viel über das Wenn und Aber dieser Cover-Version nachgedacht habe. Er hätte den Song einfach auf seine Weise gespielt und super gefunden. Und nun sei er einfach dankbar, dass ihn der Song mit den „dirty lyrics“ außerhalb Belgiens bekannt gemacht habe.
Das dazugehörige Album „Coming Of Age“ steigt bereits im Februar 2008 bis auf Platz 1 der belgischen Charts. Da der Rest Europas etwas langsamer von Begriff ist, gibt es erst im Frühjahr 2009 eine außer-belgische Album-Veröffentlichung von Milow. Darauf zu hören: ein Mix neuer und alter Songs aus dem Universum des Alleinherrschers. Schlicht, aber passend, nennt er das Compilation-Album nach sich selbst: „Milow“. Auf dem Album findet sich natürlich besagter Smashhit „Ayo Technology“, aber auch „You Don’t Know“, der Song, der Milow in Belgien erstmals in die Top Ten brachte.
Dass Neil Young oder Bruce Springsteen große Vorbilder für den sympathischen Singer/Songwriter sind, hört man der Platte deutlich an. Geschickt verbindet Milow Folk und Country mit Elementen aus Rock und Pop. „Milow“ klingt auf jeden Fall weniger belgisch als amerikanisch – und das im positiven Sinne. Bei Songs wie „Canada“, „House By The Creek“ oder auch „The Priest“ sieht man eher endlose Highways vorm inneren Auge vorbeiziehen als flämische Bauernhöfe oder belgische Frittenbuden.
Der wohl persönlichste Song heißt „Stephanie“. Stephanie ist eines der berühmtesten Mordopfer Belgiens und war zudem noch eine Freundin von Milows Stiefschwester. Das Lied soll – so Milow – das Andenken an das Opfer aufrecht erhalten. Die Medien würden grausame Morde nämlich immer nur so lange beachten bis die nächste furchtbare Tat begangen würde. Er selber wünsche sich, dass Stephanie, die von ihrer Stiefmutter und ihrem Stiefbruder ermordet wurde, nie vergessen werde.
Tendenziell sind die 15 Tracks des Albums für ruhigere Momente geeignet. Mit seiner klaren Stimme und dem folkigen Gitarrensound schafft Mastermind Milow es, den Alltagsstress raus zu fegen und Entspannung rein zu lassen. Er selbst bezeichnet das Album als 15 seiner Lieblingssongs, die irgendwo zwischen Melancholie und positivem Lebensgefühl angesiedelt sind. Wenn das Album „Milow“ auch hierzulande die Spitze der Charts erklimmt, würde es wahrscheinlich kaum einen wundern, denn Milow hat schon in Belgien bewiesen, dass ihm alles gelingt, was er im Alleingang anpackt. Sein nächstes Projekt: die musikalische Weltherrschaft.