Eine Kompilation bietet aber auch immer ein willkommenen Anlass, noch einmal über die Entstehung und den Verlauf der Bandgeschichte nachzudenken. Denn da sind durchaus einige Brüche zu erkennen und auch einiges an Unklarheiten, die vorweggenommen, hier beileibe nicht alle aufgeklärt werden können. Die Legende besagt, dass es den Jungs in der DDR nicht so sehr gefallen hat. Als sich im Oktober 1989 erste Möglichkeiten via Ungarn ergaben, sich aus der DDR zu verdünnisieren, machte sich Richard Kruspe auf den Weg in die BRD. Um nach dem Fall der Mauer wieder zurück nach Schwerin zu ziehen - wo er auf einen Till Lindemann traf, der mit seiner Band First Arsch nicht so recht wusste, wie man diese neue Freiheit am besten nutzen kann.
So wurde 1994 Rammstein geboren. Zwei Namen waren dann ausschlaggebend für den weiteren, ja bahnbrechenden Erfolg der Band: Tim Renner und David Lynch. Renner, ehedem Chef von Motor und Universal Music, nahm die Band 1995 unter Vertrag und schaffte es, sie im deutschsprachigen Raum populär zu machen. David Lynch hingegen, bekannter Filmregisseur für wundervoll mysteriöse Filme, hatte 1997 die Idee, die beiden Rammstein Lieder „Rammstein" und „Heirate Mich" in den Soundtrack seines Films „Lost Highway" aufzunehmen. Folglich hatten die Schweriner, die schon bald nach Berlin zogen, auch jenseits des Pazifiks einen Namen und gelten heute als der international erfolgreichste deutsche Act.
Das die Texte dann oftmals doppeldeutig sind, die Videos entweder ganz offen obszön oder in abgehalfterter Riefenstahl-Ästhetik daherkommen und für ihre Bühnenshows geläufige Superlative nicht mehr ausreichen, spielt dann nur noch die zweite Geige. Denn die erste Geige spielen, Gott sei Dank, immer noch die Fans. Und die lieben Rammstein - auch wenn ein neues Album nicht in Sicht ist und unterm Weihnachtsbaum jetzt alte Rammstein Lieder laufen.