Sido und Bushido sehen sich selbst gern als die deutschen Jay-Z und Kanye West. Und zumindest die Zahlen geben ihnen Recht. Denn das, was sie jetzt den beiden US-Giganten als Projekt 23 entgegensetzen ist ganz und gar nicht vergleichbar.
Nein, was Bushido und Sido verbindet ist nicht der gegenseitige künstlerische Respekt, Seelenverwandtschaft oder gemeinsame Freunde. Es ist ihr Spaß am Geld, oder wie Bushido es jüngst in einem Interview formulierte: „Wir haben vier Monate lang den Vertrag verhandelt und sechs Wochen Musik gemacht. Musik ist ungefähr 20 Prozent, und Geschäft ist 80 Prozent.“ Als sei diese Richtigstellung nicht schon aussagekräftig genug, präsentieren sich Bushido und Sido im CD-Booklet dann auch als Geschäftsmänner mit Pokerface und Welteroberungsplänen.
Und so klingt „23“, die skandalumwitterte Kollaboration (inkl. Bildzeitungsschlagzeile) zweier Erzfeinde, die durch ihre gemeinsame Leidenschaft für das große Geschäft wieder zusammenfanden, um Musik zu machen, auch: Die Beats vom Berliner Produzententeam Djorkaeff und Beatzarre sollen an die gute alte US-Gangsta-Rap-Zeit der 00er Jahre erinnern, brechen aber selten aus ihrem standardisierten Korsett aus. Auch die Pimp-Pose geht nach zwei Tracks nicht mehr als ironisch oder komödiantisch durch. Diese zwei nehmen sich ernst als deutsche The Throne, da darf das obligatorische „I'm A Hustler“-Sample aus Jay-Z's „Brush Off Your Shoulder“ natürlich nicht fehlen. Sido, eigentlich der clevere unter den Pop-Stars des deutschen Hip Hop verliert seinen Charme in Plattitüden:
„Ich dreh' mir ein, der so dick ist wie'n Bein / Ich sauf' den ganzen Jägermeister leer und zieh' ne Line / Jetzt wird’s witzig, ich bin übertrieben high / Doch egal ich wollte immer schon ein Überflieger sein“ („Verriegel Deine Tür") - Koks, Gold und Nutten, toll!
Mit „Bring Mich Heim“ wagen 23 den peinlichen und ziemlich gestrigen Versuch Mannheimer Gefühlsmomente zu integrieren und mit „Erwachsen Sein“ setzen sie dem Ganzen die Krone auf: Nicht nur wurde der Song von Kinderlied-Onkel Rolf Zuckowski geschrieben - Peter Maffay, eben noch auf Promotour für seine Tabaluga-Reihe, nutzt die Kollegen Sido und Bushido als Zielgruppen-erweiterndes Marketingtool und singt den Refrain. Maffay und Zuckowski - in einem Song? So was schaffen andere nicht auf zwei Alben.
Einzig „Ein Märchen“, die tatsächlich bewegende Antwort der beiden auf Brother's Keepers bleibt hängen – einfühlsam erzählen die beiden eine tragische Geschichte über die Kinder im Berliner Problemviertel Neukölln: „Es wird kein Happy End geben / bitte drück auf Stop / Zuerst war's ne Tragödie / dann war es ein Drama / Ich wünschte es wär' ein Märchen.“
Das wünschte ich mir bei 23 auch.