30. September 2011 – Pop Guide

Tim Bendzko im Interview: Nur noch kurz den Pop retten!

Die Moderation war beim gestrigen Bundesvision Songcontest ja eher so naja, aber darum soll's auch nicht gehen. Uns geht es vor allem um die Musik. Und da gab es ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen, das der 26-jährige Berliner Tim Bendzko für sich entscheiden konnte.
Der zweite Platz ging an Bremen mit Flo Mega, der dritte and die Supergroup Bosse feat. Anna Loos und für das Glasperlenspiel reichte es immerhin für einen vierten Platz. Auf Platz Fünf dann unsere Geheim-Favoriten Kraftklub.

Tim Bendzko dürften heute wohl wirklich die Worte fehlen, ein Glück, dass wir ihn kurz vor seinem großen Auftritt zum Gespräch getroffen haben:

Du probierst gerade Sachen an für den Bundesvision-Songcontest?
Richtig, ich habe ein bisschen spät angefangen nach einem Anzug zu suchen und glaube, jetzt einen gefunden zu haben. Ich habe mir da so einen Hugo Boss ausgesucht. Aber mal sehen. Das ist bei Männern heutzutage ja ganz schön spannend, was?

Ja, Anzug oder Anzug. Erzähl mal was zu deinem Song „Wenn Worte meine Sprache wären“.
Das ist der Titeltrack meines Albums und auch der erste Song, den ich dafür geschrieben habe. In dem Song geht's zum einen darum, nicht die richtigen Worte zu finden und, was viel schlimmer ist: die richtigen Worte zu haben aber den Mund nicht aufzukriegen. Was wir Männer ja sehr gut können.

Meinst du gegenüber Frauen?
Nicht nur gegenüber Frauen, auch unter Männern, wenn man ein Problem mit einem Freund hat zum Beispiel. Ich bin da sehr gut, dass ich dann einfach nicht so richtig den Mund aufbekomme. Männer können sich aber auch stundenlang unterhalten ohne wirklich was zu sagen...

Eigentlich bist du ja gar kein Musiker, du hast lange Zeit Fußball gespielt...
Ja, ich war acht Jahre bei Union Berlin.

Warst du richtiger Berufsfußballer?
Das war Jugendfußball, aber es war damals schon Leistungszentrum, ich war ja auch in der Sportschule und hab vier mal in der Woche trainiert und am Wochenende gespielt. Das war schon sehr professionell. Aber ich habe mit zehn oder elf Jahren beschlossen, dass ich gern Sänger werden und Songs schreiben möchte, wenn ich mal groß bin. Deshalb habe ich mit dem Fußball dann auch aufgehört, weil es mir die Zeit genommen hat um mich um Musik zu kümmern.

Mit zehn Jahren hast du schon Songs geschrieben?
Nee, da hab ich beschlossen, dass ich das mal machen werde. Ich hab dann einfach gewartet bis irgendwann die Stimme, die ich hoffte zu haben, zu mir kommt. Als kleiner Gnom, weit vor dem Stimmbruch, kann man ja noch nicht wirklich entscheiden ob man eine gute oder schlechte Stimme hat. Ich hab mir einfach eingeredet, dass ich mal eine richtig gute Stimme haben werde.

Also einfach gewünscht und dann ist es passiert?
Gewünscht ist das falsche Wort! Ich bin davon ausgegangen, dass das so sein wird. Dann konnte mein Körper gar nicht anders als dafür zu sorgen, dass das auch so kommt.

Wann hast du zum ersten Mal gesungen?
Mit 16 hab ich mit dem Fußball aufgehört und angefangen ein wenig Gitarre zu lernen, um mich selbst zu begleiten und dann habe ich mit meinem besten Freund zusammen - der immer noch in meiner Band spielt - auf irgendwelchen Geburtstagen was zum besten gegeben. Und dann waren die Reaktionen da, die ich bereits prophezeit hatte.

Du kommst ja eher aus einer unmusikalischen Familie...
Total! Meine Mutter hatte Singverbot in der Schule, wenn die in der Klasse gesungen haben, musste meine Mutter immer rausgehen...

Und jetzt bist du beim Bundesvision Songcontest gelandet. War dir das auch schon immer klar, oder passierte das auch eher zufällig?
Anfangs des Jahres haben wir so gesagt, dass wir das gerne machen würden, aber da sind natürlich ganz andere Entscheidungsträger im Spiel. Wir haben uns einfach beworben und dann kam irgendwann die Zusage, dass wir für Berlin antreten dürfen. Was abgefahren ist, denn da war noch nicht mal das Album oder die Single draußen.

Woher kommst du aus Berlin?
Geboren bin ich eigentlich in Kaulsdorf, aufgewachsen in Köpenick und jetzt wohne ich in Friedrichshain.

Welche Musik hörst du privat?
Ich höre sehr wenig Musik, aber wenn, dann hör ich witzigerweise Hip-Hop, das neue Materia Album oder das F.R. Album sind Sachen die ich total krass finde.

F.R. war ja auch mal dein Mitbewohner...
Wir haben letztes Jahr kurz zusammengewohnt und haben auch für sein Album was zusammen aufgenommen. Das Album kann ich euch nur empfehlen! Der ist erst 22 und was der für Texte schreibt ist unfassbar, dass man in dem Alter schon so viel Witz und Ironie haben kann, einfach irre.

Hast du musikalische Vorbilder?
Von allen Menschen, die ich kenne, beschäftige ich mich am wenigsten mit Musik und dementsprechend habe ich auch keine Vorbilder. Das wäre auch doof, denn wenn man Vorbilder hat, dann eifert man denen ja auch nach.

Welchen der anderen Teilnehmer fürchtest du denn am meisten?
Ich fürchte niemanden, da gibt es nicht so wirklich ein Konkurrenzdenken. Da nehmen so viele Newcomer teil und wir kennen uns von verschiedensten Veranstaltungen. Das ist dann am Ende eher sowas wie ein Klassentreffen und wir freuen uns, dass wir alle in Köln sind. Es ist nicht so, dass ich da den ganzen Tag durch die Gegend laufe und denke, der könnte jetzt besser sein als ich. Man weiß auch nicht wer da bei der Abstimmung anruft. Meine Zielgruppe ist nicht unbedingt eine, die jeden Tag bei so Sendungen anruft, ich bin da aber eigentlich ganz entspannt.

Gut, dann formuliere ich anders: Wem würdest du denn den Sieg am meisten gönnen?
Am meisten gönnen würde ich ihn natürlich mir (lacht)... Nein, ernsthaft, am meisten gönnen würde ich ihn der Alin Coen Band. Ich glaube aber, dass Bosse und Anna Loos gewinnen werden, weil hinter denen diese unglaubliche Silly Fangewalt steht. Wir werden aber natürlich unser bestes geben, damit dann vielleicht doch Berlin gewinnt.

Vielleicht ist gut... gestern ist Tim Bendzko mit der Startnummer 15 angetreten und hat es den Silly Fans gezeigt! Wir gratulieren und hören uns jetzt noch mal den Siegersong an:

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